Montag, 11. Januar 2010

Augenheilkunde - 6. Woche - "Schieltag"

Auch wenn das heute mein 100. Beitrag ist, werde ich mich kurz fassen da der Tag lang war und ich bereits ziemlich müde bin.
Der Montag ist im OP immer der Schieltag. Angeborenes Schielen sollte bei Persistenz möglichst vor der Einschulung operiert werden; bereits in frühster Kindheit müssen solche Schieler jedoch behandelt werden, da ansonsten ein Auge schwachsichtig bis blind wird, und räumliches Sehen auch nicht möglich sein kann.
Da das Auge von 6 Muskeln bewegt wird, besteht die operative Therapie darin, durch Nähen und Schneiden die Muskulatur zu kürzen, falten oder verlegen um die gewünschte paralelle Position beider Augen zu ermöglichen. Diese Eingriffe wurden alle in Vollnarkose durchgeführt, und ich durfte den ganzen Tag lang beim Fäden-Schneiden und Halten assistieren. So konnte ich den ganzen Tag lang was tun und hatte zudem einen guten Einblick auf den Bulbus sowie viele Erläuterungen.

Sonntag, 10. Januar 2010

Augenheilkunde - 5. Woche - "PPV"

Nachtrag zum Freitag.
Heute verbrachte ich quasi den ganzen Tag in einem der beiden Augen-OP-Sääle - über Nacht kamen gleich 2 Patienten mit einer Netzhautablösung, und die behandelt man meistens mit einer "PPV". Folgendes Prinzip ist das: im Augeninneren befindet sich ein géléartiger Glaskörper, welcher rausgesaugt wird um dann das Auge mit Gas oder Silikonöl zu füllen - dieses Gas bzw. Öl soll die Netzhaut wieder an die richtige Stelle drücken. Damit das ganze dann auch noch ranwächst, wird um die Löcher herum mit einem Laser hineingeschossen, damit sich dort kleine Narben bilden können welche zu Verwachsungen führen - damit soll die Netzhaut wieder fest anliegen.
Hier einmal eine Abbildung einer PPV:
Das Gas wird irgendwann selbst absorbiert (absolutes Flugzeugverbot, da bei Druckschwankungen das Auge aufplatzen könnte), und das Öl muss nach einigen Monaten wieder abgesaugt werden. Bei so einer Silikonölexplantation bin ich dann auch dabei gewesen.
Danach folgte wieder eine Katarakt-OP, und zum Schluss eine wenig spektakuläre Wundvernähung nach einer kleinen Tumorentfernung am Unterlid. Hierfür durfte ich mich allerdings steril einwaschen/einkleiden um wenigstens mal beim Tupfern und Fädenschneiden zu assistieren.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Augenheilkunde - 5. Woche - "Auf dem Kommandosessel"

Nach der Frühbesprechung ging ich dann gleich in den OP, wo es wieder so einiges zu sehen gab.
Leider finde ich heute dazu keine Bilder um das anschaulich zu beschreieben - jedenfalls wurde bei einer Trabekulotomie ringförmig im vorderen Augenabschnitt ein bestimmter Bereich aufgeschnitten, damit das Kammerwasser besser abfließen kann und der okuläre Druck gesenkt wird. Eine häufige operative Form der Glaukomtherapie.
Dann folgte noch die Aufnähung einer Amnionmembran zur Defektheilung bei einer kaputten Hornhaut, und anschließend noch eine Entfernung von nach innen wachsenden Wimpern die über die Hornhaut scheuern.
Da es danach nichts mehr zum operieren gab, konnte ich den ganzen OP Saal für mich nutzen ;) naja, hauptsächlich ging es um das Nähen- und Knotenüben. Dabei durfte ich mich auf den großen Chirurgen-Kommandosessel setzen (bei dem man über diverse Pedale und Knöpfe allerlei Sachen bedienen kann, und außerdem durfte ich das große schwenkbare Mikroskop nutzen um unter starker Vergrößerung zu arbeiten. Ein Stück Stoff wurde aufgerissen, und daran konnte ich dann das Nähen mit Instrumenten üben. Das wird sicher viele Tage in Anspruch nehmen - und mindestens doppelt so schwierig ist das ganze auch noch unter dem Mikroskop zu bewältigen - da fehlt irgendwie dieses räumliche Sehen. Das Händezittern eines Anfängers ist natürlich auch nicht zu beseitigen. So lerne ich jedenfalls was.

Dienstag, 5. Januar 2010

Augenheilkunde - 5. Woche - "im OP"

Wir haben jetzt eine kleine Rotation unter uns Studenten beschlossen, demnach bin ich jetzt bis ende Januar im OP. Am ersten Tag habe ich mich natürlich dezent zurückgehalten und nur dort geholfen wo ich helfen konnte - Blutdruck messen, Flexüle legen, Patienten umbetten.
Der Vorteil bei den meisten Operationen am Auge ist, dass man diese im Sitzen machen kann - der Operateur sitzt dabei auf so einem richtigen Kommandosessel wie Cpt. Kirk auf der Enterprise.
Zudem wird das meiste unter einem Mikroskop gemacht - dieses hat dann 2 Zugänge, so dass ich auch mitgucken konnte. Die ersten beiden Eingriffe waren Katarakt-OPs ("Grauer Star").
Diese Operation verläuft in der Regel in örtlicher Betäubung - das Betäubungsmittel wird mit einer Spritze unter bzw. hinter das Auge gespritzt - dies ist dann eigentlich der einzige unangenehme Moment für den Patienten. Für den eigentlichen Eingriff ist der Patient dann bei vollem Bewusstsein.
Bei dieser Operation wird mit einem Ultraschall-Schneid/Sauger die trübe Linse zertrümmert und abgesaugt, und dann eine Kunstlinse eingesetzt.
Bei Intakter Netzhaut kann man danach wieder klar sehen.
Der dritte Patient war dann einer den ich bereits vom Dezember hatte - einer mit einem Hornhautdefekt aufgrund eines gestörten Lidschlusses infolge einer Fazialisparese.
Ihm hat man Ober- und Unterlid weitesgehend zusammengenäht, damit darunter die Hornhaut halbwegs heilen kann - nach ungefähr 8 Wochen wird man das Auge wieder aufmachen können.
Beim 4. Patienten war es ähnlich, jedoch viel dramatischer: ein älterer Herr der seit Jahren im Wachkoma liegt hat auch einen Lidschlussdefekt, und dabei hat sich ein richtiges Hornhautgeschwür entwickelt.
Dies hat man zunächst mit einem Amnionhäutchen zugenäht und das Auge feucht abgedeckt - doch letztendlich wird dieses Häutchen auch nicht lange Halten wenn der Lidschluss nicht funktioniert. Im Normalfall wäre das ein Patient für eine Hornhauttransplantation, doch bei einem Wachkomapatienten der beatmet wird und allgemein kaum narkosefähig ist, wird dieser Eingriff kaum möglich sein.
Bei einem 5. Patienten wurde nach einer Augenentfernung von vor 2 Monaten die Bindehaut wieder richtig zusammengenäht, damit dadrauf später die Augenprothese richtig sitzen kann.
Soviel also zu heute, und morgen ist dann erstmal Feiertag.

Montag, 4. Januar 2010

Augenheilkunde - 5. Woche - "2010"

Wir schreiben das Jahr 2010.
Es ist äußerst schwer gefallen heute wieder so früh aufstehen zu müssen - dafür sieht es draußen richtig schön mit dem vielen Schnee aus.
Erwartet habe ich, dass so einige Silvester-Patienten bei uns liegen würden, aber es gab äußerst wenige Augenverletzungen zum Jahreswechsel. Nur noch einer bleibt weiter bei uns - ihm ist ein Böller so ziemlich direkt vor dem Auge explodiert; die Druckwelle hat so einige Schäden angerichtet, aber er wird wohl sein Auge behalten dürfen.
Ansonsten ist es noch ziemlich leer. Die halbe Ärzteschaft ist noch im Urlaub, eine Station ist weiterhin geschlossen, und auf der verbleibenden sind die Patienten auch überschaubar.
Habe mich dann 2 Neuaufnahmen (beide zur Katarakt-OP) gekümmert, und half dann etwas beim Schreibkram aus.
Anschließend konnte ich dann bei einer YAG-Iridotomie zugucken:
das ist ein Laserverfahren, bei dem in die Iris(Regenbogenhaut) ein Loch zur Druckentlastung eingebrannt wird - eine Methode in der Glaukomtherapie.
So sieht dann das Resultat aus:
Weil wir anschließend Hunger hatten und es nicht besonders viel zu tun gab, haben wir uns wieder einmal eine Pizza liefern lassen :-)
So lässig kann das neue Jahr gerne weiter gehen.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Augenheilkunde - 3. Woche - "Frohe Feiertage"

Da jetzt die eine Station zu ist, sind wir Studenten alle auf der einen Station gequetscht - so dass bei einigen Flexülen und 2 Neuaufnahmen fast nichts zu tun gab. So machten wir mit beiden Patienten das Maximalprogramm um über die Zeit zu kommen. Die Visite war auch nur noch kurz und bündig, weil eigentlich fast alle Patienten die Feiertage zu Hause verbringen wollen. Bei einigen wird das natürlich nicht möglich sein, aber sonst hat man sich weitesgehend danach gerichtet.
Uns PJ'lern wurde dann auch noch der morgige Tag "geschenkt", so dass dies heut unser letzter Arbeitstag war, und wir dann erst wieder zu Beginn des neuen Jahres erscheinen sollen.
Von daher kann ich mich jetzt endlich über "Ferien" freuen. :-)
Schöne Feiertage und einen gelungenen Jahreswechsel.

Montag, 21. Dezember 2009

Augenheilkunde - 3. Woche - "Pizzatag"

Da Weihnachten näher rückt und es weniger planbare Patienten geben wird, wurde unsere kleine Station heute leergeräumt. Viele Entlassungen, keine elektiven Neuaufnahmen, und wer bleiben musste, wurde im Bett auf die andere Augenstation rübergebracht. Neben einer intravenösen Prednisolon-Gabe und dem Legen einer neuen Flexüle hatte ich nichts "invasives" mehr zu tun - ich konnte mir stattdessen einige Patienten schnappen und bei denen die Sehschärfe bestimmen und den Augeninnendruck messen. Dies fällt mir noch immer nicht allzu leicht, umso erfreuter war ich, dass es heute gleich mehrmals geklappt hatte.
So sieht diese Applantationstonometrie (Augeninnendruckmessung) aus:
Wenn ich das später halbwegs gut kann, wird das dann auch zu meinen Routineaufgaben gehören.
Später blieb noch die Zeit um mit der anderen Studentin etwas zu üben - heute durfte ich sie untersuchen, und morgen werde ich ihr Versuchskaninchen sein.
Bei ihr habe ich dann ebenfalls den Augeninnendruck gemessen, den Visus bestimmt, die Pupillen weit getropft und mir gründlich ihren Augenhintergrund an beiden Augen betrachtet.
Das sieht einfach lustig aus wenn dann jemand mit so großen Pupillen rumlaufen muss :-D
Morgen bin ich dann derjenige.
Dann haben sich die meisten Assistenzärzte und Studenten eine Pizza beim Lieferservice bestellt - echt praktisch wenn man sich sowas auf die Staion liefern lassen kann. Das war dann unser kleines gemeinsames Mittagessen.