Dienstag, 22. Dezember 2009

Augenheilkunde - 3. Woche - "Frohe Feiertage"

Da jetzt die eine Station zu ist, sind wir Studenten alle auf der einen Station gequetscht - so dass bei einigen Flexülen und 2 Neuaufnahmen fast nichts zu tun gab. So machten wir mit beiden Patienten das Maximalprogramm um über die Zeit zu kommen. Die Visite war auch nur noch kurz und bündig, weil eigentlich fast alle Patienten die Feiertage zu Hause verbringen wollen. Bei einigen wird das natürlich nicht möglich sein, aber sonst hat man sich weitesgehend danach gerichtet.
Uns PJ'lern wurde dann auch noch der morgige Tag "geschenkt", so dass dies heut unser letzter Arbeitstag war, und wir dann erst wieder zu Beginn des neuen Jahres erscheinen sollen.
Von daher kann ich mich jetzt endlich über "Ferien" freuen. :-)
Schöne Feiertage und einen gelungenen Jahreswechsel.

Montag, 21. Dezember 2009

Augenheilkunde - 3. Woche - "Pizzatag"

Da Weihnachten näher rückt und es weniger planbare Patienten geben wird, wurde unsere kleine Station heute leergeräumt. Viele Entlassungen, keine elektiven Neuaufnahmen, und wer bleiben musste, wurde im Bett auf die andere Augenstation rübergebracht. Neben einer intravenösen Prednisolon-Gabe und dem Legen einer neuen Flexüle hatte ich nichts "invasives" mehr zu tun - ich konnte mir stattdessen einige Patienten schnappen und bei denen die Sehschärfe bestimmen und den Augeninnendruck messen. Dies fällt mir noch immer nicht allzu leicht, umso erfreuter war ich, dass es heute gleich mehrmals geklappt hatte.
So sieht diese Applantationstonometrie (Augeninnendruckmessung) aus:
Wenn ich das später halbwegs gut kann, wird das dann auch zu meinen Routineaufgaben gehören.
Später blieb noch die Zeit um mit der anderen Studentin etwas zu üben - heute durfte ich sie untersuchen, und morgen werde ich ihr Versuchskaninchen sein.
Bei ihr habe ich dann ebenfalls den Augeninnendruck gemessen, den Visus bestimmt, die Pupillen weit getropft und mir gründlich ihren Augenhintergrund an beiden Augen betrachtet.
Das sieht einfach lustig aus wenn dann jemand mit so großen Pupillen rumlaufen muss :-D
Morgen bin ich dann derjenige.
Dann haben sich die meisten Assistenzärzte und Studenten eine Pizza beim Lieferservice bestellt - echt praktisch wenn man sich sowas auf die Staion liefern lassen kann. Das war dann unser kleines gemeinsames Mittagessen.

Freitag, 18. Dezember 2009

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Augenheilkunde - 2. Woche - "Retinopathia pigmentosa"

Da es in der Augenheilkunde meistens eine relativ kurze stationäre Verweildauer gibt, wurden schleunigst 5 Patienten nach Hause entlassen damit 5 neue wieder aufgenommen werden konnten.
Doch zunächst musste ich mich um alle kümmern, die gestern operiert wurde - bei deren operierten Auge sollte ich jeweils den Visus s.c. (sine correctione = ohne Korrektur) und c.c. (cum correctione = mit +/- Linsen vor dem Auge) bestimmen. Bei den Neuaufnahmen musste als Ausgangsbefund natürlich auch an beiden Augen die Sehschärfe und bei einigen auch das Gesichtsfeld bestimmt werden.
Mein heute sehenswerter Fall ist ein Patient der eigentlich wegen einer luxierten IOL (die implantierte Kunstlinse hat sich aus ihrer Halterung gelöst, so dass der Patient nicht mehr scharf gucken kann) stationär aufgenommen wurde - nebenbefundlich hat er aber auch eine mittelmäßige Retinopathia pigmentosa: dies ist eine Netzhaut-Degeneration die sich unaufhaltsam von Außen nach Zentral bewegt, so dass das Gesichtsfeld des Betroffenen immer weiter schrumpft, so dass man zum Schluss nur noch wie durch ein enges Rohr gucken kann.
Bislang gibt es keine Therapie.
Bei weiten Pupillen kann man das an der Netzhaut sehr gut erkennen:
Von Peripher nach Zentral bilden sich immer mehr dieser dunklen Pigmente.
Meistens handelt es sich um eine Erbkrankheit, trotzdem treten immer wieder auch Spontanmutationen auf - meistens beginnt die Degeneration im Jugendalter oder frühem Erwachsenenalter.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Augenheilkunde - 2. Woche - "Weihnachtsfeier"

Wieder einmal mussten am Vormittag einige Flexülen gelegt werden, diese machten zum Glück keine Probleme. Heute gab es dann keine Neuaufnahmen weil die Station voll war und niemand entlassen werden konnte. Die Patienten die am Vortag operiert wurde, durfte ich als erstes begutachten - am operierten Auge die Sehschärfe bestimmen und schon mal ein wenig mit der Spaltlampe reingucken. Weitgetropft wurden diese Patienten auch, so dass ich mir auch den Augenhintergrund anschauen konnte.
Heute gab es dann wieder die Augen-Vorlesung für das 5. Studienjahr - wir 4 PJler durften assistieren und uns auch die Vorlesung angucken; heute war das eine "Weihnachtsvorlesung" wo die Bedeutung des Auges in der Sprache, der Kunst, der Geschichte und der Kultur hervorgehoben wurde. Beeindruckend waren auch die detailreichen Gemälde die von Picasso, Rembrandt und Co. gezeichnet wurden, an denen sogar heute noch Augenärzte Diagnosen stellen können.
Gegen 16 Uhr durften dann alle Schluss machen, weil es dann die Weihnachtsfeier der Klinik gab - diese fand in der Stadtmitte statt, wo wir eine historische Stadtführung zu Fuß unternahmen. Das war dann mal eine andere Art von Weihnachtsfeiern - kein Rumsitzen am Tische, sondern knapp 3 Stunden bei Kälte wandern. Dafür gab es dann zwischenzeitlich was warmes zu Trinken - zum Abschluss sogar Glühwein.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Augenheilkunde - 2. Woche - "Ablatio Retinae"

In einer Woche lege ich auf der Augen-Abteilung mehr Flexülen als in einem Monat zuvor auf der Chirurgie - sowas übt, und ich werde auch immer sicherer dabei. Bei einer Patientin musste man aber einen heftigen Gestank aushalten; sobald man im Zimmer war, roch es wie in einer Raucherbar. Die ältere Patientin muss so viel Rauchen, dass sich dieser ganze Gestank nicht nur an allen Klamotten, sondern auch in die ganze Haut reingefressen hat. Sie sah auch schon so aus wie ein Raucherwrack - und sie hatte auch schon einen ordentlichen Raucherhusten. Die hat schon garantiert COPD und kaputte Gefäße in allen Extremitäten, am Herzen, an der Netzhaut usw.
Naja.
Die für mich heute eindrucksvollste Neuaufnahme war eine Patientin mit einer Ablatio retinae (Netzhautablösung) - dies ist jedoch bereits im Oktober aufgetreten und die ersten Symptome traten schon im Sommer auf; somit kann trotz Therapie eine richtige Heilung nicht erreicht werden, weil es bereits innerhalb von 24-72 Stunden zu irreversiblen Schäden der Netzhaut kommt.
Hier einmal eine Schematische Darstellung einer Netzhautablösung:
Bei weit getropften Pupillen und entsprechender Lupentechnik kann man dann an der Netzhaut folgenden Befund sehen:
Der Augenhintergrund sieht an der betroffenen Stelle so verschwommen, unscharf und wellig aus. Das zuvor gut sehende Auge kann jetzt nur noch Handbewegungen wahrnehmen - somit ist die Patientin auf einem Auge quasi blind geworden.
Naja, ansonsten war heute noch Chefvisite und ich habe aus dem Blut der Patienten nach Zentrifugation Eigenserum-Augentropfen hergestellt. Diese helfen bei Hornhautdefekten indem sie die Heilung beschleunigen.

Montag, 14. Dezember 2009

Augenheilkunde - 2. Woche - "Pterygium & Basaliom"

Früh morgens ist es jetzt wirklich eisig kalt - ohne Schal, Mütze und Handschuhe gehe ich garnicht mehr raus.
Heute klappte mal alles pünktlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch die Flexülen (vor jeder OP sollen die betroffenen Patienten einen venösen Zugang bekommen) klappten problemlos.
Die Visite war dann relativ kurz, weil übers Wochenende viele Patienten nach Hause entlassen wurden. Da wir dann viele freie Betten hatten, konnten wir dementsprechend auch neue Patienten aufnehmen.
Für mich am interessantesten war eine Patientin mit einem Pterygium (auch als "Flügelfell" bekannt), welches ich bislang nur aus der Vorlesung kannte. Jetzt konnte ich es dann richtig klassisch selbst sehen. Ein Pterygium ist ein gutartiges 3eckiges Bindehauthäutchen, welches mit der Spitze von Außen immer weiter in Richtung Hornhautzentrum wächst. Solange es nicht auf die Hornhaut wächst, belässt man es - wenn es aber auf die Hornhaut wächst, dann ist eine operative Entfernung notwendig, da dieses Pterygium sonst über die ganze Hornhaut wachsen kann so dass man nicht mehr durchgucken kann und damit quasi blind ist.
Hier einmal eine Abbildung von einem Pterygium:


Sonst ist noch eine Patientin mit einer beidseitigen Ptosis (herabhängende Oberlider) gekommen, bei der operativ die Lider gekürzt werden sollten - jedoch wurde sie wieder nach Hause geschickt, weil man vergessen hat ein neurologisches Konsil durchzuführen. Vor so einer elektiven OP sollte ein Neurologe feststellen, ob es sich bei dieser Ptosis nicht um eine neuromuskuläre Erkrankung handelt, weil dann ganz anders vorgegangen werden muss.
Ein weiterer Patient kam mit einem Basaliom am Unterlid. Ein Basaliom ist eine ganz besondere Art eines Tumors - dieser ist zwar bösartig weil er invasiv und zerstörerisch wächst, jedoch setzt er keine Metastasen ab, so dass bei einer ausreichenden chirurgischen Behandlung quasi immer mit einer Heilung zu rechnen ist. Wenn man es aber nicht rausschneidet, wird es einfach immer größer, zerstört das Auge, Verstümmelt das Gesischt, wächst immer weiter (auch in den Schädel) bis man es garnicht mehr entfernen kann - so kann man letztendlich auch daran sterben.
So kann ein Basaliom aussehen:

Ansonsten kam noch ein älterer Patient zu einer geplanten Katarakt Operation.
Pünktlich um 16:30 konnte ich heute Feierabend machen.