Mittwoch, 30. September 2009

Chirurgie - 7. Woche - "keine OP"

Kaum zu glauben, aber nach langer Zeit musste ich heute kein einziges Mal in den OP. Mir war das recht, weil ich dann endlich wieder etwas mehr Zeit für alles hatte und keine Hektik mehr aufkam.
So konnte ich locker 2 Aufnahmen machen, viel Blut abzapfen, 2 Briefe diktieren und 2 Flexülen legen - wobei meine Trefferquote weiterhin bei 50% liegt: bei der einen Patientin habe ich es gleich auf Anhieb geschafft, während ich es bei einem anderen Patienten nach mehreren Fehlversuchen aufgeben musste. Der Oberarzt hat es aber auch nicht beim ersten Versuch geschafft ;)
Einen kleinen Schreckmoment gab es, als ein Patient wie aus dem Nichts plötzlich hohes Fieber und Schüttelfrost bekam - er hat gezittert wie unter Strom; zudem hatte er eine richtig beschleunigte Atmung so dass ich gleich mal die Oberärzte alarmierte. So wie es plötzlich begonnen hatte, so hörte es genauso plötzlich wieder auf - auch das CT und die Sono waren ohne Auffälligkeiten, so dass das ganze für uns ein Rätsel blieb.
Nachmittags gab es dann wieder unser Studenten-Seminar und zum Feierabend die wöchentliche Tumorkonferenz wo Krebspatienten aus den verschiedensten Abteilungen vorgestellt wurden.
Besonders dramatisch fand ich den Fall einer 42 jährigen Frau die in so jungen Jahren einen Darmkrebs hatte, und nach der Hemicolektomie im Laufe eines Jahres eine massive Metastasierung im Peritoneum, Leber und Lunge entwickelt hatte. Da kann man nichts mehr machen.

Dienstag, 29. September 2009

Chirurgie - 7. Woche - "Galle, Galle und ein verflixter Wurm"

Nach der Visite stellte sich heute früh ein neuer künftiger Assistenzarzt vor - bis er aber als non EU-Bürger seine Arbeitserlaubnis bekommt, wird er bis etwa mitte Oktober den Status eines "Studenten" haben. Aber er ist schon mal da um alles und jeden kennenzulernen und bei der Stationsroutine zu helfen. Das wird eine große Erleicherung endlich wieder einen Stationsarzt zu haben. Ich war dann quasi derjenige der ihm erstmal alles zeigte wie es bei uns so alles abläuft.
Nach der ersten Aufnahme wurde ich dann schon in den OP gerufen und kam dort auch lange nicht mehr heraus.
Die erste OP war eine Galle, die laparoskopisch geplant, aber letztendlich offenchirurgisch beendet wurde. Grund dafür waren massivste Verklebungen in Folge der Entzündung so dass man minimalinvasiv nicht alles sicher darstellen konnte. Offenchirurgisch dauerte es dann aber auch eine ganze Weile um die Gallenblase sicher herausnehmen zu können.
Die nächste OP war dann eine weitere akute Gallenblase welche jedoch laparoskopisch gemacht werden konnte. Der Eingriff war völlig problemlos, doch nebenbei machten wir einen ziemlich gruseligen Befund: die Leberoberfläche war richtig höckrig; viele suspekte Knoten waren da zu sehen - am ehesten handelt es sich wohl um Metastasen eines unbekannten Tumors.
Neben der Gallenentnahme machten wir natürlich auch eine Gewebsprobe aus einem dieser Knoten - wir werden sehen was die Pathologen dazu sagen.
Nach dem langen Rumstehen musste ich noch zu einer weiteren OP im Saal bleiben - diesmal eine Appendizitis. Der Wurmfortsatz wurde dann laparoskopisch abgetragen; bei diesen minimalinvasiven Eingriffen wird das abgetrennte Organ dann immer in so einen Plastikbeutel getan um diesen dann später komplett aus dem Körper zu ziehen. Da aber noch einige kleinere Blutungen gestillt werden mussten, hat erstmal niemand mehr an den Wurm im Beutel gedacht - die Kamera und die Arbeitsgeräte haben wir dann schon rausgeholt und wollten schon fast wieder zunähen, bis dann ein aufmerksamer OP Pfleger fragte wo denn eigentlich der Wurm sei.
Da haben wir also nochmal Glück gehabt.
Wie am vergangenen Donnerstag war ich so lange im OP, dass ich garnicht mehr in die Kantine konnte. Es folgte dann blos noch unser Studentenseminar wo wir uns mit der Endoskopie beschäftigen konnten und auch mal so ein Gerät in die Hand nehmen durften.
Nach Feierabend konnte ich dann mit der neuen Famulantin zu McDonalds fahren und endlich endlich was essen.

Montag, 28. September 2009

Chirurgie - 7. Woche - "Der Tigerente sei Dank!"

Nein, es war kein Traum, die Bundestagswahl ist wirklich so gut gelaufen - diese Gewissheit dass es jetzt endlich eine Tigerenten-Regierung geben wird macht richtig gute Laune :)
Gefreut habe ich mich auch darüber dass wir für die kommenden 2 Wochen noch eine neue Famulantin bekommen haben; daher muss ich nicht mehr so alleine sein.
Nach der Visite war trotzdem viel zu tun - viele Blutabnahmen und beim OP gab es dann auch gleich schon Mecker dass ich zu Spät gekommen bin.
Es war eine Schilddrüsen-OP die immer wieder ordentlich blutete. Das Organ war auch gewaltig und knotig wie Weintrauben. Der Recurrens ließ sich auch nicht ableiten, so dass man schon die Sorge hatte, dass die Patientin nach der OP eine kaputte Stimme haben würde - dies war aber zum Glück nicht der Fall.
Auf Station gab es dann wieder einer Schilddrüsen-Struma Neuafnahme die aber sonst völlig unauffällig war.
Dann wurde ich zu einer weiteren OP gerufen: eine akute Appendizitis (Blinddarmentzündung) bei einem 15jährigen Mädel. Von der Klinik hatte sie diese typischen Druckschmerzen am McBurny- & Lanz-Punkt, der Sonobefund war auffällig und die Entzündungswerte waren auch erhöht.
Die Appendektomie erfolgte laparoskopisch und völlig problemlos.
Dann gabs endlich Zeit fürs "gastroenterologische Konsil" (Essen) wo ich mich mit dem Orthopädie-PJler nochmals ordentlich übers Tigerenten-Wahlergebnis freuen konnte :)
Anschließend musste ich dann zum 3. Mal in den OP weil es einen erneuten Verdacht auf eine akute Appendizitis gab. Offenchirurgisch stellte sich dann aber stattdessen eine Divertikulitis heraus, die zunächst einmal nur mit Drainagen und einer Antibiose behandelt wird.
Nach der Röntgenbesprechung war dann Feierabend.
Ein Hoch auf die Tigerente!! :)

Freitag, 25. September 2009

Chirurgie - 6. Woche - "Ich, der Diktator!"

Für Chirurgen dauerte die Visite heute erstaunlich lang, aber es gab ja auch interessante Sachen zu erzählen - es gab nach langer Zeit endlich die Histologischen Befunde von 2 Patienten.
Bei der einen wurde ja zuvor die Milz bei Verdacht auf ein seltenes Milzmalignom entfernt - die Gewebsuntersuchung des Organs ergab nun, dass es sich um ein großzelliges B-Zell Lymphom handelt. Von daher ist dieser Fall nun aus chirurgischer Sicht erledigt, und die Patientin wird nun zu den Hämatologen verlegt wo sie eine Chemotherapie bekommt.
Bei der zweiten Patientin wurde der halbe Dickdarm rausgeschnitten (bei dieser OP war ich selbst dabei und konnte den Tumor selbst tasten) - der Gewebsbefund bestätigte das Karzinom, und glücklicherweise war kein Lymphknoten befallen, so dass man vorsichtig von einer Heilung sprechen kann.
Weniger Glück hatte ein Patient den ich gestern aufgenommen habe; der Herr mit dem Magenkrebs. Der Magen wurde zwar vollständig rausgeschnitten, jedoch sah man überall in der Bauchhöhle kleine Ablagerungen - eine Peritonealkanzerose mit fataler Prognose.
Das ist schon heftig, wenn ein Mann mit keinerlei Frühsymptomen erst diese Krebsdiagnose bekommt, und nach einer OP in Heilungsabsicht die Prognose dann letztendlich fatal ist.
Sehr böse.
Ansonsten war ich wieder bei einer Schilddrüsen-OP; diesmal etwas spektakulärer weil das so ein richtig großes Ding war welches richtig in die Tiefe ging. Die Operation dauerte ungewöhnlich lange bis dann alles rausgeholt werden konnte.
Auf Station war die Nörgeltante schon wieder weg, aber es kam eine neue Patientin mit Nörgelpotential. Sie beschrieb die schlimmsten Bauchschmerzen im linken Oberbauch so dass man kaum den Bauch abtasten konnte. Zu erwähnen ist, dass sie erst um die 40 ist und sich durch Alkohol und Nikotin bereits ihren halben Körper zerstört hat. Im Frühjahr musste bei ihr wegen einer chronischen Pankreatitis mit Komplikationen eine Whipple-OP gemacht werden; diese radikale OP wird eigentlich nur bei Bauchspeicheldrüsenkrebs gemacht.
Nun, jedenfalls hab ich diese schlimme Symptomatik schön zu Papier gebracht, und 10 Minuten später seh ich sie den Gang entlang wandern um rauchen zu gehen - so vernichtend können die Schmerzen also nicht gewesen sein. Dumm.
Naja, und dann hatte ich etwas Zeit zum Briefeschreiben für die Patienten die am Wochenende entlassen werden sollen. Dabei drängte die Oberärztin dazu, dass ich das nicht selbst schreiben soll sondern auf ein Diktiergerät aufnehmen soll.
Dieser Vorgang dauerte bei mir dann aber doppelt so lange, weil ich zunächst trotzdem handschriftlich etwas formulieren musste eh ich das fließend aufsagen konnte. Das sind halt meine ersten Versuche. Damit habe ich mich bei 3 Entlassungsbriefen ziemlich abgequält, aber dieses diktieren muss man halt auch lernen um ein guter Diktator zu werden.
Ich war später froh, dass alles gut lief, und ich meine Diktate dann später in ausgedruckter Form wiederfand.
Wochenende!

Donnerstag, 24. September 2009

Chirurgie - 6. Woche - "Nörgeltante"

Nun bin ich der letzte verbliebene Student auf meiner Station; unsere schöne Arbeitsteilung kann daher nicht mehr weiter gehen. Einen Stationsarzt gibt es weiterhin nicht so dass es garnicht richtig funktionieren kann.
Nach der Visite habe ich blos eine Blutabnahme geschafft eh ich in den OP gerufen wurde; musste ausgerechnet zu der größten Nörgeltante die sowas von unfreundlich nervig ist. Ihr gespieltes schmerzverzerrtes Gesicht beim Pieksen ging mir dann ziemlich am Arsch vorbei.
Im OP stand ich wieder an einer Schilddrüse die raus musste - nichts spektakuläres.
Danach sollte ich nochmal kurz auf Station um zu gucken ob es dort noch was zu erledigen gab; und natürlich musste ich nochmal zu der Nörgeltante weil sie ein "Bläschen" an der Oberlippe bemerkt hatte. Tatsächlich war das dann eine 2x2 milimeter kleine Schleimhautläsion an der Lippeninnenseite die am ehesten eine banale Aphthe war - dies sagte ich ihr auch so, worauf ein plumpes "Glauben ist nicht gleich Wissen" als Antwort kam. Soll sie doch sonstwo Bläschen bekommen...
Nach einer weiteren Blutabnahme wollte ich eine Neuaufnahme machen, doch mitten im Gespräch wurde ich wieder in den OP gerufen.
Bei dem gestrigen Patienten (der auf eine Spenderniere wartet) sollte eine Sigmadivertikulose rausoperiert werden. Das war dann eine fast 5 stündige OP die so ziemlich auf die Beine und Arme ging - zunächst war ich laparoskopisch wieder der Kameramann als das Sigma ordentlich dargestellt und am Übergang zum Rektum abgetrennt wurde. Danach wurde der Bauch trotzdem leicht offenchirurgisch aufgeschnitten um den Darm rauszuholen; anschließend wurde der zweite Schnitt am Übergang vom Descendens zum Sigma gemacht, so dass das gesammte Sigma abgetrennt war. Die beiden Enden (Descendens -> Rektum) mussten wieder zusammengebracht werden, dies geschah dann transrektal. Unter laparoskopischer Sicht (ich wieder Kameramann) wurde von rektal das Rektum an das andere Ende geschoben und mittels moderner Technik wieder vernäht.
Das war schon eine große Operation die während der gesammten Kantinenöffnungszeit lief; so musste ich mich nachmittags mit einem eigenen belegten Baguette trösten.
Eigentlich hatte ich ja dann Feierabend, da es aber keinen Arzt gab der die Neuaufnahmen machte, hatte ich noch 3 Patienten inklusive Blutentnahmen abzuarbeiten. Struma, Magenkrebs, Struma.
So darf es nicht immer laufen dass ich jetzt wegen deren Personalmangel unbezahlte Überstunden mache.

Mittwoch, 23. September 2009

Chirurgie - 6. Woche - "Herzphysiologie"

Heute früh wurde ich mal wieder zur üblichen Schilddrüsen-OP gerufen welche völlig unspektakulär verlaufen ist. Es ist letztendlich immer wieder das gleiche - Ligatur der Gefäße, Schonung und Neuromonitoring des N. Recurrens, und dann raus mit dem Ding.
Auf Station gab es an Neuaufnahmen eine weitere Struma-Schilddrüse und einen Mann mit Divertikulitis. Dieser noch relativ junge Mann wartet schon seit 5 Jahren auf eine Spenderniere - das mit den Spenderorganen in Deutschland ist ja der reinste Horror; da muss es umbedingt eine Gesetzesänderung geben weil das Angebot an Organen so gering ist. In anderen Staaten ist es genau umgekehrt - dort wird man automatisch als Organspender in Betracht gezogen wenn man das nicht ausdrücklich ablehnt; mit dieser Regelung sind die Wartezeiten viel kürzer und es können hunderte oder gar tausende von Leben gerettet werden - ganz zu schweigen von der Lebensqualität. 5 Jahre lang 3x in der Woche zur Dialyse ist auch schon eine ordentliche Belastung.
Die Blutabnahmen haben heute alle geklappt, nur das Legen einer Flexüle machte mal wieder Schwierigkeiten. Nach 2 erfolgrosen Versuchen an der Hand wählte ich dann schließlich eine bescheuerte Stelle in der Ellenbeuge, aber dort klappte es dann wenigstens.
Ansonsten hatten wir heute noch ein Seminar zum Thema Herzinsuffizienz, und das war alles sehr physiologisch - von Klinik, Diagnostik und Therapie hatten wir Studenten natürlich halbwegs Ahnung, aber der Dozent wollte das alles vom physiologischen Aspekt wissen. Die ganzen Sachen a la Starling-Mechanismus, HZV, enddiastolischer ventrikulärer Druck usw. usw. brachte uns dann ordentlich ins Schwitzen. Aber letztendlich war so ein interaktives Seminar viel besser als wenn man blos da sitzt und einem Vortrag zuhört.

Dienstag, 22. September 2009

Chirurgie - 6. Woche - "Multimorbide Patienten"

Blutabnahmen gab es heute keine, so dass ich nach der Frühbesprechung gleich zum OP konnte. Es handelte sich um eine endoskopische Leistenhernien-Operation. Dieser Eingriff ist für mich sowas von unübersichtlich - ich durfte da wieder den Kameramann spielen, aber von Orientierung kann keine Rede sein. Man befindet sich dann mit den Instrumenten direkt unter dem Rectus-Muskel und kommt garnicht erst in den Bauchraum hinein; mit der Kamera folgte ich blos der Chirurgin bei ihrer Arbeit.
Auf Station löste ich mich dann mit der Famulantin ab; sie ging zu einer Schilddrüsen-OP, und ich kümmerte mich um die Neuaufnahmen. Eine Patientin mit Zustand nach einer biliärer Pankreatitis bei der jetzt vorsorglich die Gallenblase entfernt werden soll ging relativ schnell - sie war nie zuvor im Krankenhaus und hatte keinerlei Vorerkrankungen.
Bei der zweiten Patientin dauerte die ganze Aufnahme dagegen richtig lange; sie kam mit einem Darmkrebs zur rechtsseitigen Darmentfernung (Hemikolektomie rechts). Die ganze Medikamentenliste war ja schon der Hammer: die ganze Palette an Herzmedikamenten, Blutdrucksenkern, Cholesterinsenkern, Zuckertabletten, Gerinnungshemmer, Harnsäuresenker und die stärksten Schmerzmittel. Präoperativ musste dann ein ganzes Stück davon abgesetzt werden. Zudem hatte sie eine große Zahl an Nebenbefunden: Vorhofflimmern, Hüft- und Schultergelenke, Diabetes und nun auch noch den Darmkrebs. Blutkonserven mussten bestellt werden, Tumormarker bestimmt und Röntgen- sowie EKG Diagnostik mussten angefordert werden. Die Untersuchung zog sich wegen der Schmerzen auch eine ganze Weile hin, zudem muss eine Darmpatientin obligatorisch rektal untersucht werden.
Nach diesem ganzen langen Gewusel wurde ich dann auch wieder in den OP gerufen.
Zum Glück war das nur eine kurze Operation - eine laparoskopische Cholezystektomie (Gallenblasenentfernung) bei der Patientin die ich gestern aufgenommen habe.
Dort konnte ich dann wieder den Kameramann spielen.
Nach der OP bemühten wir 2 Studenten uns kurz noch um einen Entlassungsbrief und konnten dann endlich von Station abhauen um unser Seminar zu besuchen. Dort wurde uns die Strahlentherapie etwas näher gebracht.