Montag, 31. Mai 2010

Innere - 10. Woche - "Knochenmarkpunktion"

Seit meinem letzten Beitrag ist ja so viel passiert: Lena hat den European Songcontest grandios gewonnen, und Horst Köhler ist völlig überraschen vom Amt des Bundespräsidenten zurückgetreten.
Nun aber zum PJ-Alltag.
Heute fanden ja die 3 geplanten Knochenmarkspunktionen statt - bei einer konnte ich mit dabei sein. Dieser Eingriff sieht dann doch sehr brutal und brachial aus.
Der Patient wünschte sich zwar keine Beruhigungsspritze, aber das heißt nicht dass er diese Prozedur mit Vergnügen über sich hat ergehen lassen.
Er lag dabei in Seitenlage, während zunächst der Beckenknochen abgetastet wurde um dann mit einer spitzen Nadel in den Beckenkamm hineinzubohren. Wenn ich "Bohren" sage, dann meine ich das auch - wie ein Korkenzieher wurde das Teil unter enormen Kraftaufwand durch die robuste Knochenstruktur hineingebohrt. Dann wurde über diesen Zugang mit einer Spritze das Knochenmark abgesaugt - es sah aus wie dunkelroter dickflüssiger Sirup der da rauskam. Zusätzlich wurden auch Stanzenbiopsien gemacht; das erinnert an solche Eisbohrungen in Polargebieten wo so ein Stanzzylinder aus der Tiefe herausgeschnitten wird. Nun müssen wir einige Tage auf die Ergebnisse warten und hoffen, dass sich keine bösartigen Zellen finden lassen.
2 Neuaufnahmen hatte ich dann heute noch, beide mit ungewolltem Gewichtsverlust (mögliche Krebserkrankung). Der eine Patient hat diverse Bauchbeschwerden und tastbare Resistenzen im Abdomen, und die eine Patientin hat starkes Sodbrennen mit Schluckbeschwerden. Eine bereits durchgeführte ambulante Gastroskopie ergab den dringenden Verdacht auf ein Oesophaguskarzinom (Krebs der Speiseröhre).
Für uns Studenten gab es dann noch am Nachmittag einen Ultraschallkurs: heute konnten wir uns gegenseitig die Schilddrüse im Hals schallen.

Freitag, 28. Mai 2010

Innere - 9. Woche - "Updates"

Freitags gibt es meistens keine Augnahmen - so auch heute. Konnte also nach dem Legen einiger Flexülen in Ruhe and der kompletten Visite teilnehmen. Hier kann ich dann auch ein kleines Update zum Verlauf meiner Patienten geben:
Gute Nachrichten gab es für die Frau mit dem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL - "Krebs" des lymphatischen Gewebes); im CT vom Thorax und Abdomen sah man keine weiteren auffälligen Strukturen! Wenn nun am Montag bei der Knochenmarkspunktion ebenfalls alles in Ordnung ist, dann ist die Patientin glücklicherweise im Frühstadium 1A. Eine komplette Heilung durch Bestrahlung ist dann möglich.
Schlechte Nachrichten dagegen für den Patienten mit dem Verdacht auf ein Hepatozelluläres Karzinom (HCC - "echter Leberkrebs") - zwar sind die ganzen Hepatitis-Tests alle negativ, jedoch ändert das nichts an der Tatsache dass da immer noch dieser gewaltig große verdächtige Knoten in der Leber ist. Dieser ist so groß, dass er wohl weit mehr als die Hälfte der Leber einnimmt - somit wird eine operative Heilung nicht möglich sein.
Obwohl man jeden Tag mit Krebspatienten zu tun hat, fällt es in einigen Situationen dann doch schwer sich mit dieser Situation abzufinden - besonders dann, wenn die Patienten selisch als auch körperlich noch ziemlich fit sind; dann kann man diese Diagnose manchmal selbst nicht glauben.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Innere - 9. Woche - "Hepatozelluläres Karzinom"

Einer unserer Ärzte hatte Geburtstag, so dass es aus diesem Anlass ein schönes großes Frühstücksbuffet nach der Röntgenbesprechung gab. Es gab leckere frische Brötchen, diverse Käse- und Fleischsorten, Fisch, Obst, Gemüse und etwas dunkle Schokolade. Bei so einem Arbeitsbeginn war man dann hochmotiviert für den weiteren Tag :)
Heute war auch wieder die Chefvisite - da bin ich natürlich mitgelaufen, und habe auch die beiden Patienten vorgestellt die ich gestern (Frau mit NHL) und vorgestern (Mann mit unklarem Gewichtsverlust) aufgenommen habe. Nachdem ich mich gestern noch ordentlich über das NHL belesen habe, und dem Professor heute so einiges zu der Stadieneinteilung und Therapie erzählen konnte, wurden mir im weiteren Verlauf keine blöden Fragen gestellt - meine Unwissenheit konnte damit gut überblendet werden ;)
Bei meinem Patienten von Vorgestern ergab die Ultraschall-Untersuchung leider einen Ungünstigen Befund: in der Leber zeigte sich eine größere Raumforderung, die am ehesten ein Hepatozelluläres Karzinom (HCC) sein könnte. Das HCC ist ein Krebs welcher direkt in der Leber entsteht (also keine Metastase aus anderen Organen) - Hauptrisikofaktoren sind eine Leberzirrhose und/oder eine Hepatitis B oder C Infektion. Da die Leber nicht zirrhotisch aussah, wird der Patient nun zusätzlich auf Hepatitis B und C getestet. Ein beim HCC häufig vorkommener Tumormarker (Alpha-1-Fetoprotein) wird ebenfalls abgenommen. Die Prostata sah im Ultraschallbefund ebenfalls inhomogen und vergrößert aus (das konnte ich auch in der rektalen Untersuchung ertasten), so dass morgen auch zusätzlich ein Tumormarker (PSA) für Prostatakrebs abgenommen wird. Das Hauptproblem wird aber das HCC sein, welches in der Regel eine schlechte Prognose hat. Unter Umständen kann der befallene Leberlappen herausoperiert werden, aber nur wenn ausreichend gesundes Lebergewebe übrig bleibt.
Meine heutige Neuaufnahme war ein Patient, bei dem ein kleiner Polyp während einer Darmspiegelung abgetragen wurde. Die gewebliche Untersuchung ergab dann, dass es sich hierbei um ein MALT-Lymphom handelt - quasi ein NHL der Darmschleimhaut (also ein Krebs des lymphatischen Gewebes der Darmschleimhaut). Nun wird bei uns eine ausführliche Diagnostik gefahren: CT vom Thorax und Abdomen, Gastroskopie, Bronchoskopie, evtl. eine Kapselendoskopie (dabei wird eine kleine Kapsel mit eingebauter Kamera geschluckt, die durch den ganzen Verdauungstrakt wandert), eine Knochenmarkpunktion sowie ein HNO-Konsil - alles Maßnahmen um zu gucken ob noch weitere Schleimhäute betroffen sind.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Innere - 9. Woche - "Non-Hodgkin-Lymphom"

Heute wurde eine anfang 50 jährige Patientin aufgenommen, bei der zufällig ein Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) diagnostiziert wurde (ein NHL ist ein "Krebs" des Lymphgewebes).
2007 hatte die Patientin bereits ein Cervix-Ca. (Gebärmutterhalskrebs) und wurde mittels OP nach Wertheim (größter Eingriff in der Gynäkologie: Entfernung der Gebärmutter, Entfernung des Binde-, Fett- und Lymphgewebes in der betroffenen Region, Ausräumung des die Scheide umgebenden Gewebes) und Radiochemotherapie behandelt. Seitdem ist die Patientin in regelmäßiger gynäkologischer Nachsorge. Im Mai diesen Jahres bemerkte sie nun direkt neben der Brust einen Knoten - die Gynäkologen befürchteten, dass es sich evtl. um eine Metastase handeln könnte. Die gewebliche Untersuchung der entommenen Lymphknoten stellte allerdings ein NHL fest. Nun wurde die Frau bei uns zur weiteren Diagnostik und Therapie aufgenommen.
Als ich die Patientin aufnahm war sie völlig beschwerdefrei - sie hatte weder die für ein Lymphom typischen B-Symptome (Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß), noch sonstige Probleme. Weitere Nebenerkrankungen hatte sie auch nicht, und war somit auch bislang medikamentenfrei.
Die körperliche Untersuchung war ebenfalls völlig unauffällig - diesmal habe ich auch besonders gründlich nach Lymphknoten am Hals, in den Achselhöhlen und in den Leisten getastet, aber auch dort war nichts zu finden. Das Blutbild und das restliche Labor waren auch normal.
Nun wird sie bei uns das ganze Staging (Bestimmung des Tumorstadiums) durchgehen: Sonographie, CT vom Thorax und Abdomen. Wenn wir Glück haben, dann befindet sich die Patientin durch diesen zufälligen Befund noch im absoluten Frühstadium 1 nach der Ann-Arbor-Klassifikation. Bei Befall nur dieser einzelnen Lymphknotenregion kann es unter einer Bestrahlungstherapie evtl. zu einer vollständigen Heilung kommen. Wir hoffen das Beste.

Dienstag, 25. Mai 2010

Innere - 9. Woche - "ungewollter Gewichtsverlust"

Da eine PJlerin krank ist und der andere PJler seinen Studientag ist, war ich heute der einzige PJler in der Inneren. Einziger Nachteil war, dass ich keine Mitfahrgelegenheit hatte und auf die Regionalbahn angewiesen war und eine etwas längere Strecke Fußweg hatte. Zum Glück hat es aber nicht geregnet.
Als Neuaufnahme hatte ich dann heute einen 70jährigen Patienten mit ungewollten Gewichtsverlust - ansonsten war er aber völlig beschwerdefrei. Nebenbefundlich hat er einen Bluthochdruck und einen Diabetes. Herz und Lunge hörten sich unauffällig an, die Bauchdecke war etwas eingefallen aber sonst weich und ohne Druckschmerzen. Bei der rektalen Untersuchung schien die Prostata etwas vergrößert, was aber bei Männern in dem Alter nichts ungewöhnliches sein muss. Im Laborbefund zeigte sich dann auch noch eine leichte Anämie (Blutarmut), ein leicht erhöhtes CRP (Entzündungsparameter) sowie ein leicht erhöhtes Gamma-GT (kann auf eine diskrete Leberstörung hindeuten). Seine Blutzuckerwerte waren ordentlich entgleist, so dass eine Neueinstellung sicher auch erforderlich sein wird. Zur Diagnostik bekommt der Patient ein EKG, ein Röntgen-Thorax, eine Abdomensonographie, eine Colo- und eine Gastroskopie.
Zur Visite gab es nichts besonderes.
In der Funktionsabteilung sah ich die Bronchoskopie bei dem Patienten bei dem wir einen dringenden Tumorverdacht in der Lunge haben - allerdings konnte man da nichts auffälliges finden und demnach auch keine Probe entnehmen. Vermutlich wird man also aus einer der mutmaßlichen Lebermetastase eine Probepunktion nehmen müssen um eine sichere Diagnose stellen zu können.

Samstag, 22. Mai 2010

Innere - 8. Woche - "Erythema migrans vs. Erysipel"

Nachtrag zum Freitag.
Nach vielen Tagen kam heute endlich wieder die Sonne raus - es war sogar so angenehm warm, dass man die Mittagspause draußen verbringen konnte. :)
Neuaufnahmen gab es am Freitag auch keine, so dass ich morgens nur einige Flexülen und Blutentnahmen zu erledigen hatte, und anschließend bei der Visite mitlaufen konnte.
Ein Patient hat nach einem Zeckenbiss am Oberschenkel eine Rötung entwickelt - hier denkt man dann oft an dass sogenannte erythema migrans, die "Wanderröte", welche ein Hinweis auf eine von Zecken übertragene Borreliose Infektion sein kann.
So wie dieses Beispiel hier sah das allerdings nicht aus:

Außerdem entsteht sowas in der Regel erst einige Wochen nach dem Zeckenbiss. Der Test auf Borreliose-Antikörper war ebenfalls negativ, so dass wir nun davon ausgehen, dass der Zeckenbiss "blos" die Eintrittspforte für eine Infektion mit "gewöhnlichen" Streptokokken war, die überall auf der Haut angesiedelt sind. Diese Infektion nennt man dann ein "Erysipel" - die Hautregion ist dann sehr schmerzhaft, gerötet, überwärmt und man kann hohes Fieber entwickeln und fühlt sich richtig krank. Eine antibiotische Behandlung wurde eingeleitet.
Heute verbrachte ich auch einige Stunden bei mehreren Darmspiegelungen. Darunter war auch ein Patient mit chronischem Husten und unklarem Gewichtsverlust den ich vor wenigen Tagen aufgenommen habe. Obwohl der Patient bereits eine Bypass-Operation am Herzen hatte, war er sowohl körperlich als auch geistig sehr fit. Umso tragischer ist es dann, dass im CT viele Metastasen in Leber, Lunge und Wirbelsäule entdeckt wurden. Die Gastro- (Magen), Colo- (Darm), und Bronchoskopie (Lunge) soll nun der Ursprungskrebs gefunden werden.
Die Gastro- und Coloskopie war völlig unauffällig, und im CT stellt sich am ehesten der Verdacht auf ein Bronchialkarzinom (Lungenkrebs). Nächste Woche wird die Bronchoskopie wahrscheinlich Sicherheit bringen.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Innere - 8. Woche - "punktieren und kathetern"

Da es bereits heute keine Neuzugänge gab (und morgen am Freitag erst recht keine) konnte ich heute ganze in Ruhe bei der Visite mitgehen. Wenn man einige Zimmer betritt dann ist der Gestank aber kaum noch erträglich - da darf man nicht allzu empfindlich sein.
Nachdem ich dann bei einigen kurz-Entlassungsbriefen geholfen habe, konnte ich in der Funktionsabteilung wieder eine Aszitespunktion durchführen (Flüssigkeit aus dem Bauchraum ablassen). Diesmal ging es schon deutlich besser und der Patient äußerte auch keine Schmerzen - die Flüssigkeit dagegen war bernsteinfarbend und ordentlich trüb. Gut 2 Liter wurden abgelassen. Die Ursache dieser Aszites ist diesmal keine alkoholbedingte Leberzirrhose, sondern ein metastasierter Nierenkrebs. Im Ultraschall sah man aber auch, dass es einen ausgeprägten Pleuraerguss gab (Flüssigkeit in der Brusthöhle); dies wird dann morgen abpunktiert werden.
Beim gleichen Patienten musste ich auf Station noch einen Blasenkatheter legen.
Während die meisten Flexülen heute gingen, war ich bei einer Patientin am verzweifeln. Vorgestern habe ich noch eine legen können, aber heute hat es selbst nach dem vierten Versuch nicht funktioniert. Das war zum verzweifeln, aber bei solchen geschwollenen Händen und Armen findet man so gut wie nichts. Das musste ich dann leider der diensthabenden Kollegin überlassen.